Warschau, 28.06.2012. EM-Halbfinale. Deutschland-Italien.
Nürnberg, 14.11.2014. EM-Qualifikation. Deutschland-Gibraltar.

Zwei Spiele wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und doch besitzen sie Symbolkraft für unseren FC. In der Saison 2011/2012 stieg der 1. FC Köln in die 2. Liga ab und verlor mit Lukas Podolski, der zum 01.07.2012 zu Arsenal London wechselte, seinen vorerst letzten Nationalspieler. Die Saison 2014/2015 dagegen ist die Saison der Rückkehr unseres FC in Liga 1 und gleichzeitig auch die Rückkehr eines FC-Spielers in die Nationalmannschaft.

Wir schreiben die 72. Minute des Länderspiels gegen Gibraltar, als mit Jonas Hector endlich wieder ein FC-Spieler die Nationalmannschaftsbühne betritt. Doch bei allem Stolz über Jonas Hector, wäre es jetzt für alle Beteiligten falsch, seine Nominierung und diesen ersten Einsatz nicht richtig einzuordnen.

Machen wir uns nichts vor, die Position des linken Verteidigers ist seit jeher eine schwer zu besetzende Position. Irgendwie sind Linksfüßer, die gleichzeitig verteidigen und angreifen können und das auch noch in hoher Qualität rar. Dieses Problem betrifft nicht nur die deutsche Nationalmannschaft. Im modernen Fußball der Verteidigungsketten ist Philipp Lahm auf links nicht zu ersetzen, obwohl dieser ja eigentlich lieber auf rechts spielte oder doch eher auf der Sechs? Dies spricht für Lahm, für seine Vielseitigkeit und fußballerische Kompetenz, aber auch gegen die aktuellen und gelernten deutschen Linksverteidiger in der Liga. Diese bewegen sich im guten Durchschnitt und oftmals fehlt es Ihnen an Konstanz. Wer spielte schon alles in den letzten Jahren für und nach Lahm auf links? Jansen, Aogo, Schmelzer und neuerdings Durm. Ok, Höwedes muss auch erwähnt werden, der bei der WM auf jener Position grundsolide agierte, aber Höwedes war als gelernter Innenverteidiger eher eine Notbesetzung, der auf links zwar nicht überragte, aber auch nicht viel Schaden angerichtet hat. Er war solide. Eine Eigenschaft, die den anderen Linksverteidigern abzugehen scheint. Und so geht die Suche natürlich weiter.

Ein Brehme oder Reuter wird Hector niemals sein, da vollkommen andere Eigenschaften, erst recht nicht ein Lahm. Aber Hector hat eine eigene Qualität, die ihm als Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten gereicht. Jonas Hector hat sich in den letzten Jahren konstant weiterentwickelt und solide bis gut agiert. Während Schmelzer, Jansen, Aogo und Durm immer wieder Spiele haben, in denen sie den Defensivverbund destabilisieren, überzeugt Hector im Verein durch konstante Solidität. Ein extremer Leistungsabfall war in seinen Spielen bislang nicht zu beobachten und sein fußballerisches Wachstum in den letzten Jahren macht Hoffnung, dass die Entwicklung noch nicht zu Ende ist mit seinen gerade mal erst 24 Jahren. Und dies macht Jonas Hector zum folgerichtigen Nationalspieler unserer Tage, auch ohne vorher jemals in U19, U21 oder sonst eine U-Auswahlmannschaft gespielt zu haben. Wenn er weiter solide bleibt und er sich durch die kommende internationale Erfahrung weiterentwickelt, dann hat er allerbeste Chancen den Linksverteidigerposten in der Nationalmannschaft auf Dauer zu erobern und die Nationalmannschaft bekäme einen Linksverteidiger, der für die Zukunft Konstanz und Qualität verspricht.

Aber sind wir mal ehrlich (und das soll in keinster Weise die Leistungen Hectors schmälern): Das der Fokus auf einen 24-jährigen gefallen ist, der gerade in die 1. Liga aufgestiegen und noch ohne internationale Erfahrung ist, ist natürlich nur möglich, weil die Liga bislang einen hochwertigen Linksverteidiger für die Nationalmannschaft nicht hergab. Aber zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein ist kein Verbrechen und erst recht kein Zufall. Und so ist Hectors Berufung in den Nationalmannschaftskader – auch wenn er gegen Spanien nicht zum Einsatz gekommen ist – ein Fingerzeig von Jogi Löw getreu dem Motto „ich habe dich wahrgenommen Jonas, jetzt liegt es an dir…“
In diesem Sinne bleibt der kölschen Ziege somit nur noch zu sagen: Hector, das ist deine Chance…

…Nutze sie!

Foto: © Eduard Bopp / upgradecologne.de

Ein Kommentar

  1. Alex

    Ja, so ist es. Zur richtigen Zeit (nach Lahm-Abgang) am richtigen Ort (eben Linksverteidiger). Aber… es ist nichts gegen Glück einzuwenden und das, wie auch seine konstanten Leistungen und sein Können, wünsche ich dem sympathischen Jonas auch weiterhin. Gratulation und alles Gute auf deinem weiteren Werdegang!

    Antworten

Gib einen Kommentar ab

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Seite benutzt Akismet um Spam zu verhindern. Wie Kommentardaten verarbeitet werden.

Über den Autor

Antonio Bozza (machiavelli14): Geboren am 31. Spieltag 1974, als der FC im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz nicht nur 3:1 in Wuppertal gewann, sondern in einer Liga spielte, in welcher Bayer Leverkusen noch nicht auf der Landkarte erschien und es mit dem Stadtrivalen Fortuna Köln einen prestigeträchtigen Absteiger gab. Erstmals im Stadion am 18.09.1982 als einer von 14.000 Zuschauern beim 2:1-Heimerfolg gegen Werder Bremen und seitdem vom FC-Fieber gepackt...

Vielleicht auch interessant