Ja, Jörg Schmadtke hat recht! Wenn er sagt, dass die ausgebliebene Elfmeterentscheidung samt gelbroter Karte für Leno in Minute 15 eine Schlüsselszene des Spiels gewesen ist, dann ist dem einfach nur zuzustimmen. Wir behaupten sogar, dass Leno bereits in der 3. Minute glatt rot hätte sehen müssen. Die Schutzregel für den Torhüter war in jener Szene nicht anzuwenden. Die Regel ist klar. Bei Vereitelung einer klaren Chance ist zwingend rot zu geben. Im Normalfall vereitelt der Torhüter bei einem Foul im eigenen Strafraum eine klare Chance, aber natürlich muss man einem Torhüter auch zugestehen in den Zweikampf gehen zu dürfen. Also soll rot nur dann gezückt werden, wenn er nicht eindeutig zum Ball geht. In jener Szene war der Ball längst weg, als Leno sich Richtung Lehmann bewegt und diesen schlussendlich auch zu Fall bringt. Dies ist glatt rot! Aber Thorsten Kinhöfer ist ohnehin nicht einer der besseren seiner Zunft, also wäre es auch übertrieben gewesen zu erwarten, dass er den Mut besitzt gegen die Heimelf nicht nur einen Elfmeter zu pfeifen, sondern auch rot zu zücken.

Der englische Schiedsrichter Howard Webb sagte unmittelbar nach dem WM-Finale 2010 zwischen Spanien und der Niederlande, dass er durch frühe rote Karten keinen Einfluss auf das Spiel nehmen wollte. Zur Erinnerung. Während der ersten Halbzeit wurden zwei Spanier in Kampfsportmanier im wahrsten Sinne des Wortes weggetreten. Mark van Bommel und Nigel de Jong waren die Übeltäter. Wieso meint also ein Schiedsrichter, dass er Einfluss auf das Spiel nehmen würde, wenn er zu früh rot zeigt? DAS verstehen wir ehrlich gesagt nicht. Nimmt ein Schiedsrichter nicht gerade dadurch Einfluss, wenn er das regelkonforme Pfeifen von der Spielminute abhängig macht? Nun ja, Schiedsrichterlogik halt…

Aber zurück zur Schlüsselszene. Liebe TV-Experten aus SKY, Sport 1 und von wo auch immer: Erspart euch so neunmalkluge unterschwellige und arrogante Andeutungen in Richtung eines Vereinsfunktionärs, wenn er zu recht in so einem Moment von Schlüsselszene spricht. Geht der FC 2:0 in Führung gegen 10 Leverkusener wird es kein 2:5 geben. Auch wird es kein 1:5 geben, wenn der FC den anschließenden Elfmeter verschossen hätte, weil Leverkusen dennoch zu zehnt geblieben und der Spielverlauf ein anderer gewesen wäre. Ansonsten könnt ihr Experten gleich eine neue Fußballsendung einführen vielleicht mit dem Titel „Wenn, dann!“ Also wenn der FC 0:1 gegen Freiburg zu Hause verliert und der VfB 4:1 in Freiburg gewinnt, heißt es dann, das der VfB den FC 5:1 schlägt? Nein, heißt es nicht. Der FC hat in Stuttgart nämlich 2:0 gewonnen, also denkt jetzt mal darüber nach was hier nun für eine Logik steckt oder aber liebe TV-Sender, schickt endlich kompetente Kommentatoren und Reporter in die Stadien…

Nun gut… nachdem die kölsche Ziege sich nun ausführlich gegen den Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ausgelassen hat und in Jörg Schmadtke keinen schlechten Verlierer sieht, sondern einfach nur jemanden der in diesem Falle recht hat, möchte sie aber auch nicht über die Dinge hinwegsehen, die nunmal nicht so gut waren. Auf die Gegentore 3 bis 5 durch die Werkself wollen wir gar nicht eingehen, denn wenn zwei Verteidiger ausgewechselt werden gegen zwei offensivere Spieler, dann kann man diesen Versuch von Stöger alles auf eine Karte zu setzen entweder teilen und anschließend sagen, dass der „Mut nicht belohnt wurde“ oder sich wundern, dass man diesen Versuch unternommen hat, „weil man es ja gleich gewusst“ hat, dass es so nicht gut geht, der Werkself mit ihren schnellen Offensivspielern mehr Raum zu geben. Ansichtssache und letzten Endes ob du 1:2 oder 1:5 verlierst macht bis auf das Torverhältnis keinen Unterschied und wir würden auch niemals ein Team kritisieren, das Mut bewiesen hat. Leverkusen ist nicht Barcelona oder Bayern, also konnte man auch nicht davon ausgehen, dass dieses Team dem FC noch drei einschenkt. Jetzt wissen wir es also besser für die Zukunft. Punkt.

Schlimmer war, dass in so einem besonderen Spiel Leistungsträger wie Timo Horn gepatzt haben. Vielleicht hatte er nicht seinen allerbesten Tag, vielleicht hat er auch nur nicht seine Emotionen im Griff gehabt. Die Zukunft wird diese Fragen klären. Aber noch schlimmer ist die Naivität im Zweikampfverhalten vor dem eigenen Strafraum in den letzten Begegnungen:

– Gegen Freiburg hat Vogt vor dem eigenen Sechzehner den Ball vertändelt, daraus folgte die Elfmetersituation für Freiburg zum 0:1;
– gegen Hertha verursacht Lehmann einen unnötigen Freistoß. Was folgt ist das Siegtor zum 1:2 für die Hertha;
– und gegen Bayer 04 verursacht erst Vogt einen Freistoß aus zentraler Position der das 1:1 einleitet, anschließend Mavraj den Freistoß, den Calhanoglu verwandelt und die Werkself auf die Siegerstraße bringt.

All diese Aktionen und Fouls haben gemeinsam, dass sie unnötig waren und haben richtig Punkte gekostet. Hier muss ganz klar angesetzt werden. Vieles was unser FC gut macht wird zur Makulatur, wenn der Gegner auf diese Art und Weise beschenkt wird.

Aber Kopf hoch FC. Leverkusen hatte enorme Probleme mit euch und dieser Champions League-Achtelfinalteilnehmer hatte letzten Endes die Hilfe des Schiedsrichters und eure Standardgeschenke nötig, um in die Spur zu finden. Nicht alles war also schlecht, auch wenn das nackte Ergebnis was anderes suggerieren könnte. Bleibt weiter auf euch selbst fokussiert und verbessert euch Schritt für Schritt, Tag für Tag. Die 1. Liga ist nunmal ausgeglichen und es kommt häufig auf die Details an. Das betrifft auch die anderen Teams. Und wenn Teams wie der BVB, Bremen, HSV und Hertha immer noch hinter euch stehen, dann ist dies sicher Beweis genug. In diesem Sinne also auch weiterhin…

Come on FC!

Foto: © Eduard Bopp / upgradecologne.de

Ein Kommentar

  1. Alex

    Oben im Headerbild auf der linken Seite sieht man Maroh. Zuerst läuft er zum Pfosten, dann leider wieder aus dem Kasten raus. Wer weiß, hätte er den versenkten Ball rausköpfen können?

    Und zum ganzen Rest, es gibt Regeln:
    An die hat man sich zu halten, als Spieler, als Trainer und eben auch als Schiedsrichter.
    Ist ein Freistoß, Elfmeter, gelbe oder rote Karte fällig, ist es egal ob es in der 1. oder der 91.min ist. Ob es gleich zweimal innerhalb kurzer Zeit vorkommt oder nicht, und auch ob es ein Derby ist oder es gegen die Heimmannschaft zu pfeifen ist. Rollt der Ball ins Aus, gibt es dort Einwurf. Wurde jemand gefoult, gibt es dort den Freistoß auszuführen.
    Regeln sind da, werden diese richtig ausgelegt und gut ist.
    Genug zu dem Thema.

    Mal hat man Pech, mal hat man Glück. Dieses Mal war das Glück nicht auf der FC-Seite.

    Come on Effzeh!

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Über den Autor

Antonio Bozza (machiavelli14): Geboren am 31. Spieltag 1974, als der FC im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz nicht nur 3:1 in Wuppertal gewann, sondern in einer Liga spielte, in welcher Bayer Leverkusen noch nicht auf der Landkarte erschien und es mit dem Stadtrivalen Fortuna Köln einen prestigeträchtigen Absteiger gab. Erstmals im Stadion am 18.09.1982 als einer von 14.000 Zuschauern beim 2:1-Heimerfolg gegen Werder Bremen und seitdem vom FC-Fieber gepackt...

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