Wenn ich von meinem Kumpel ReKo per WhatsApp folgende Nachricht bekomme

„Darf ich bitte einen Beitrag über Modeste auf Deinem Blog schreiben? Ich explodiere.“

Dann kommt sowas dabei rum. Danke dafür und Euch viel Spaß beim Lesen.

Er hätte der Held von Köln werden können, ein neuer Thomas Häßler, der Pierre Littbarski der 00er-Jahre, der rechtmäßige Nachfolger von Toni Polster. Platz fünf, der direkte Einzug in die Euro-League – das verdankt der 1. FC Köln vor allem den 25 Toren von Anthony Modeste. Niemand hätte es wohl für möglich gehalten, dass der von Hoffenheim geholte Stürmer in seiner zweiten Saison derart einschlagen würde. Ein Wahnsinn.

Seit Lukas Podolski gab es keinen Spieler mehr, der derart gelobt, geliebt, vergöttert wurde. Doch Tony war kein Poldi und wird es nie werden. Ihm fehlt es an Authentizität,  Glaubwürdigkeit, Demut und vor allem Dankbarkeit.

Ja, es gehört zum modernen Fußball dazu, dass Spieler bei einem besseren Angebot den Verein wechseln. Es ist auch normal, dass sie sich bis zum Schluss nicht über ihre wahren Absichten äußern. Ein normaler Arbeitnehmer würde seinen Kollegen ja auch nicht erzählen, dass er sich gerade in einem anderen Unternehmen bewirbt. Von daher hätten wohl nur verbitterte Fußballromantiker Modeste einen Wechsel nicht verziehen. Der Großteil der Geißbock-Anhänger war weder verwundert, noch verärgert darüber, dass nach der Saison schnell ein Wechsel ins ferne China wahrscheinlich wurde. Zu hoch war die im Raum stehende Ablöse, als dass der Verein sie hätte ausschlagen können.

Zu hoch war das Jahresgehalt für Modeste, als dass er es ablehnen würde.
Zu hoch war die Achtung vor seiner Leistung, als dass die Fans ihm den Geldsegen missgönnt hätten.

Doch leider unternahm der liebe Tony alles, um sich nicht unsterblich, sondern unausstehlich zu machen. Bereits im Juni 2016, als Modeste seine Ausstiegsklausel ziehen wollte, zeigte sich, dass dieser Spieler noch Schwierigkeiten machen würde. Es kam lediglich nicht zum Wechsel, da die damals noch unberucksackten Mendy-Brüder zu spät dran waren. Nach wochenlangem Hickhack schaffte es Jörg Schmadtke schließlich Modeste die Ausstiegsklausel abzukaufen – sein Gehalt stieg auf 2,5 Millionen Euro. Und wie kommentierte er das?

Ich wollte nie weg. Das war nur Politik. Ich bin Spieler, ich mache was ich will.Anthony Modeste

Zugegeben, sehr ehrlich. Aber eben auch sehr respektlos gegenüber Verein, Mitspielern und Fans. Im Winter flatterte eine 50-Millionen-Euro-Offerte ins Geißbockheim. Modeste kokettierte mit einem Wechsel. Ein Bekenntnis zum FC, eine wirkliche Klarstellung? Fehlanzeige. Sein wahres Gesicht zeigte sich langsam.

Doch Tony wurde von den Fans am letzten Spieltag im wahrsten Sinne des Wortes auf Händen getragen. Er heulte, war voller Euphorie und behauptet immer wieder

Ich will bleiben.Anthony Modeste

Wäre es sein Wille gewesen, hätte es die Gespräche mit dem chinesischen Verein nicht gegeben. Modeste hatte zudem Zeitpunkt einen Vertrag für drei weitere Jahre beim FC. Niemand hätte ihn davon abhalten können, zu bleiben, wenn er es wirklich gewollt hätte. Stattdessen wurden Verhandlungen geführt – mit seinem Wissen und Einverständnis. Doch der Deal platzte, er scheiterte wohl an den Zahlungsmodalitäten. Und anstatt jetzt einfach die Klappe zu halten, sich reumütig zu geben und zu trainieren, gibt er der BILD ein Interview und sagt, er habe nie weggewollt und der FC habe die Verhandlungen quasi ohne sein Wissen im Alleingang geführt. Angeblich habe er mit den Bossen sogar über sein Karriereende beim FC reden wollen. Klar.

Beim Trainingsauftakt wurde er trotz dieses Verbalangriffs von hunderten Fans gefeiert, genoss das Bad in der Menge, als ob er damit Schmadtke und Co. sagen wollte: „Seht her, die Fans lieben mich. Ihr seid auf mich angewiesen.“ Und um noch einen draufzulegen, klagte er wenige Tage später, nachdem die Verhandlungen mit Tianjian wiederaufgenommen wurden, gegen seinen „geliebten“ FC. Der Showdown vor Gericht blieb den Angestellten und Fans glücklicherweise erspart, der FC kassiert dicke Kohle, die er gut gebrauchen kann.

Ungeachtet seiner Äußerungen, liebten und lieben ihn die Fans. Auf Mallorca war der Modeste-Song von Icke Hüftgold der Hit des Sommers. Zugegeben, das Lied ist ein echter Ohrwurm. Doch zu einem Evergreen fehlen ihm leider Tiefgang und Charakter. Die letzten Strophen lauten daher:

„Wer manchen Hals anschwellen lässt? Anthony Modeste“
„Sympathisch wie ein Wespennest? Anthony Modeste“
„Jetzt endlich den FC verlässt! Anthony Modeste“

Foto: Herbert Bucco / upgradecologne.de

2 Kommentare

  1. Kölsche Ziege [philtek]

    Du sprichst mir aus der Seele. Er hätte ein Held werden können. Er hätte einen sauberen Abgang haben können.
    Hätte, hätte, Viererkette
    Sollen sie sich in China mit Tonys Spielchen rumschlagen.
    Gruß
    philtek

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  2. Alex

    Ja, es ist schade, dass man sich selbst so demontiert. Ich bin dankbar für die 40 Tore in 68 Spielen im FC-Dress, danke – neben allen anderen – für die Europa League. Dass man aber derart an solch einem Abgang arbeitet, hätte ich für unmöglich gehalten. Aber es gibt eben nichts, was es nicht gibt. Und diese Transferposse ist nun endlich beendet. Hoffen wir, dass die 29 Millionen in zwei Jahren sauber überwiesen werden und man kann den Fall ad acta legen. Schade Modeste, dass du, deine Berater, dein Umfeld, deine Aeusserungen und Interviews… so viel kaputt gemacht haben. Aber nun ist er weg, nochmal danke für die 40 und viel Glück/Geld in China.

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Über den Autor

Philipp Tekampe (philtek): Elf Tage älter als Ronaldo (der echte, nicht Cristiano) und sogar 15 Tage älter als Michael Ballack aber dafür auf den Tag genau 31 Jahre jünger als der Kaiser Franz Beckenbauer. Damit im perfekten Alter, um das Geschehen nicht mehr aktiv zu bestreiten, sondern vom Seitenrand zu kommentieren. Als Blogger, Schriftsteller und PR-Texter gibt er seinen Senf auch zu anderen Themen ab.

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