Beim Pokern mit Stefan Raab musste Peter Stöger als erster die Runde verlassen. Allerdings nicht, weil er schlecht gespielt hatte. Laut Expertenmeinung hatte Stöger so gut wie keine Fehler gemacht, sondern lediglich Pech gehabt. So etwas kann passieren. Beim Poker, im Leben und genauso beim Fußball.
Vor der letzten Saison hatte ich das Vergnügen, Peter Stöger für Kölsche Ziege zu interviewen. Dabei unterhielten wir uns auch über Pokern und vieles von dem, was Peter Stöger damals über das Kartenspiel sagte, ist heute in seiner Arbeit als Fußballtrainer zu erkennen.

Wenn ich glaube, dass es passt, gehe ich auch schon mal früh All in.
Natürlich in der Hoffnung, die anderen Spieler zu beeindrucken, früh einen Pott zu gewinnen. Aber wenn die Karten gar nichts hergeben, dann macht das keinen Sinn. Mir gefällt es, dass Poker über einen längeren Zeitraum gespielt wird. Da will ich ja nicht direkt am Anfang rausfliegen.Peter Stöger

Das ist aus meiner Sicht der große Unterschied zwischen Trainerfüchsen wie Peter Stöger und nennen wir sie mal Konzepttrainern wie Alexander Zorniger, Roger Schmidt und auch dem in Köln grandios gescheiterten Stale Solbakken. Peter Stöger spielt nicht mit dem Blatt, das er gerne hätte sondern mit dem Blatt, das er tatsächlich auf der Hand hält. Beim 1. FC Köln sind das normalerweise keine zwei Asse, sondern eher ein Bube und eine Zehn.
Und dann spielt man gegen die Bayern, die gefühlt immer zwei Asse oder Leverkusen, die tendenziell so etwas wie zwei Könige auf der Hand haben. Gegen die Bayern hat es für uns nicht gereicht, aber gegen die Pillen schon. Weil Stöger erkannte, dass noch eine weitere Zehn und ein Bube auf dem Tisch lagen. Und während Roger Schmidt stur an seinen beiden Königen festhielt, spielte Peter Stöger sein Blatt aus und gegen zwei Paare hatten Schmidts Könige keine Chance.

Aber wenn man es wie beim Pokern betrachtet, werden wir immer versuchen, den Pott abzuräumen. Auch wenn der Gegner mal mehr Chips vor sich liegen hat. Das wird unsere Einstellung sein.Peter Stöger

Das sollte auch unsere Einstellung sein. Wer nicht gewinnen will, hat in der Bundesliga nichts verloren. Aber wir sind nicht der große FC Barcelona, der jeden Gegner mit dem immer gleichen Tiki-Taka weghauen kann, oder der VFB Stuttgart, der das bis zu Zornigers Entlassung auch zu glauben schien. Wir sind der 1. FC Köln und wir müssen uns und unsere Taktik eben (noch?) an den Gegner anpassen. Peter Stöger weiß das.

Mal werden wir vielleicht sogar ein Spiel dominieren können. In anderen Spielen werden wir uns hauptsächlich defensiv wehren müssen und in anderen wird vielleicht mal eine ausgefallene Taktik den Erfolg bringen – vielleicht mal ganz hoch verteidigen oder nur auf Konter spielen. Aber wir wollen schon immer auf drei Punkte spielen. Natürlich nicht kopflos ins Verderben rennen und auch mal ein Unentschieden mitnehmen.
Aber nur mit Unentschieden und Sicherheitsfußball hält man nicht die Klasse.Peter Stöger

Nur mit kopfloser Offensive oder blindem Anrennen aber eben auch nicht. Genau für diesen Realismus und dieses Pokerface bin ich Peter Stöger unglaublich dankbar. Als ich Ihn gegen Ende des Interviews fragte, ob man seine Fußballtaktik wie folgt beschreiben könnte.

Also um beim Pokern zu bleiben:
Erst Pokerface und dann im richtigen Moment All in.

Antwortete er
Das haben Sie gut umschrieben.

Schön, von Peter Stöger Recht zu bekommen. Und ich hoffe er führt den 1. FC Köln Schritt für Schritt zu den großen Pötten und am Ende zum Jackpot.
Ich bin gespannt und voller Vorfreude.
Auch auf das erste richtige All in!

Foto: © Eduard Bopp / www.ligafoto.de

2 Kommentare

  1. Alex

    Ja, unser Peter. Habe ihn damals auch beim Poker im TV gesehen und muss Recht geben. Schlecht war er nicht, leider nur vom Pech verfolgt. Aber das Interview hier war damals schon klasse und wenn man das im Nachhinein mit dem vergeicht, wie er von Spiel zu Spiel vorgeht – ja, das passt.
    Ich hoffe er wird weiterhin Erfolg haben, unseren FC stetig in die richtige Richtung bringen und lange bleiben. Eine Seltenheit bei unserem Effzeh.

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Über den Autor

Philipp Tekampe (philtek): Elf Tage älter als Ronaldo (der echte, nicht Cristiano) und sogar 15 Tage älter als Michael Ballack aber dafür auf den Tag genau 31 Jahre jünger als der Kaiser Franz Beckenbauer. Damit im perfekten Alter, um das Geschehen nicht mehr aktiv zu bestreiten, sondern vom Seitenrand zu kommentieren. Als Blogger, Schriftsteller und PR-Texter gibt er seinen Senf auch zu anderen Themen ab.

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