Der 1. FC Köln ist neuer Bundesligarekordhalter.

Und alle so: Yeah!

Oder auch nicht. Denn der Effzeh ist Rekordhalter in der wohl unkölschesten Kategorie, die es gibt. Neun mal und damit die meisten 0:0, in Worten Null zu Null, in einer Saison.

Klar, keine Tore schießen kann der 1. FC Köln.
Nicht umsonst führen wir die Rekordliste für Minuten ohne Tor seit der Saison 2001/02 souverän an. 1034 Minuten. Das könnte ein Rekord für die Ewigkeit sein. Außerdem ist es Drama, peinlich und führte zu Abstieg. Also ein klassisch kölsches Ding.

Aber keine Tore kassieren?

In den Top Ten der Mannschaften, die in der Bundesliga am längsten ohne Gegentor blieben taucht der Effzeh erwartungsgemäß jedenfalls nicht auf. Bedeutet dies doch, Abwehrsicherheit, Souveränität und damit Dinge für die der 1. FC Köln jahrelang nicht unbedingt bekannt war.
Jetzt schon. Und daraus resultieren die Null zu Null Ergebnisse. Dominic Maroh gibt zu:

Das ist nicht sehr sexy.

Vollkommen richtig. Aber das ist Angela Merkel auch nicht und trotzdem ist sie politisch seit Jahren erfolgreich. In gewisser Weise ist die Spielweise des Effzehs in dieser Saison auch mit Merkels Politik vergleichbar. Immer ruhig bleiben, kleine Schritte machen und wenn es mal eng wird, die Sache einfach aussitzen.
Das ist nicht schön, nicht spannend, nicht kölsch, aber erfolgreich und vielleicht sogar Kunst.

Das ist eine Kunst für einen Aufsteiger, weil der Gegner keine Chancen und keine Tore gegen uns hinbekommt.Jörg Schmadtke

Ob Kunst oder nicht. Diese langweiligen Spiele und Spielweisen sind momentan ungemein wichtig für den Effzeh. Nur dadurch ist es in dieser Saison gelungen, sich niemals auf einem Abstiegsplatz zu befinden. Das ist richtig, das ist gut.

Aber verdammt noch mal. Wir bleiben eben Kölner und ohne ein wenig Drama kommen wir nicht klar.

Eine derart seriöse und ruhige Saison halte ich vielleicht noch aus.
Dann fordere ich aber endlich Abhilfe. Kampf um Europa, Pokalfinale, meinetwegen sogar wieder Abstiegskampf.
Notfalls auch neben dem Platz. Holt Overath und Poldi zurück, engagiert Volker Finke als Trainer und Peter Neururer als Manager, benennt Hennes in Rüdiger um…
Kurz gesagt: Auf kurz oder lang will ich endlich wieder Emotionen.

(Laut Welt war es übrigens das 99. Null zu Null des Effzeh in über 40 Jahren Bundesligageschichte. Der 1. FC Köln hat also im Durchschnitt weniger als dreimal pro Saison torlos gespielt. Das macht Hoffnung für die Zukunft)

Foto: © Eduard Bopp / upgradecologne.de

6 Kommentare

  1. Alex

    Ich muss gestehen, während des vergangenen Spiels war ich ein wenig sauer, da ich dachte: „Na toll. Hinten nun 5 Mann rein, die anderen kommen lassen und am Ende 1:0 verlieren“. Aber so kam es nicht, obwohl doch meist genau mit dieser Taktik nach einem Gegentor gebettelt wird. Nicht bei unserem FC. Die sind hinten einfach sattelfest. Ich brauche diese Saison kein sexy. Ich will erstklassig bleiben und danach sieht es aus. Ich bin zufrieden. Danke FC.

    Und zum Abschluss eines noch… bitte niemals mehr Finke. Und gar nicht erst Loddar. So, das war’s von mir. Angenehme Woche.

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  2. Kandinsky W.

    Also ein leichtes Aufstöhnen konnte ich mir in Augsburg auch nicht verkneifen, als Stöger in der 55. Min. Ujah auswechselte und mit Mavraj Beton anrührte.
    Aber der Erfolg gibt ihm Recht und kein einziges Mal in der Saison auf einem Abstiegsplatz gestanden zu haben ist aller Ehren wert für einen Aufsteiger.
    Für die nächste Saison wünsche ich mir dann aber auch den nächsten Schritt – einen Passgeber und Antreiber im Mittelfeld, der auch Standards schiessen kann hat für mich dabei oberste Priorität. Viel mehr wird wohl nicht drin sein, aber peu a peu nach oben ist mir allemal lieber, als jemals noch die Namen Overarth, Finke und Neuruer im Zusammenhang mit einem Amt beim effzeh lesen zu müssen.

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Über den Autor

Philipp Tekampe (philtek): Elf Tage älter als Ronaldo (der echte, nicht Cristiano) und sogar 15 Tage älter als Michael Ballack aber dafür auf den Tag genau 31 Jahre jünger als der Kaiser Franz Beckenbauer. Damit im perfekten Alter, um das Geschehen nicht mehr aktiv zu bestreiten, sondern vom Seitenrand zu kommentieren. Als Blogger, Schriftsteller und PR-Texter gibt er seinen Senf auch zu anderen Themen ab.

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