Müngersdorfer Stadion am 2. Mai 1991. Der 1. FC Köln führt souverän im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den MSV Duisburg. Alle sind zufrieden. Na ja, fast alle. Frank Ordenewitz nämlich hat die gelbe Karte gesehen (die zweite im laufenden Wettbewerb) und wäre damit zwangsläufig für das Finale in Berlin gesperrt.

Klingt nicht gut aber logisch. Was besser aber weniger logisch erscheint ist folgendes. Laut den damaligen Regeln wurden im Pokal erworbene Rotsperren in der Bundesliga abgesessen. Bescheuert,  aber wahr. Und unser Otze war kein Dummer. Der hatte das System verstanden. Darum kündigte er schon in der Pause bei Trainer Erich Rutemöller an, einen Platzverweis provozieren zu wollen. Der Erich war auch kein Dummer und antwortete mit dem heute schon legendären Satz:

Mach et, Otze!

Und Otze macht es. Kurz vor Schluss, Köln führt uneinholbar 3:0, haut er den Ball einfach mal mutwillig weg und bekommt wie gewünscht die rote Karte.

Ja, so war sie, die gute alte Zeit.

Warum ich diese Geschichte in die gute alte Zeit einordne? Nicht, weil Frank Ordenewitz mit Zustimmung seines Trainers eine rote Karte provozierte. Es geht um die Gesamtsituation. Es geht darum, dass Köln im Halbfinale des DFB-Pokals uneinholbar führte. Darum, dass die Kölner Verantwortlichen Regellücken für sich nutzten und nicht hineintappten. Und auch darum, dass sie davon ausgingen, dass sie auf ihren Topstürmer auch mal ein paar Ligaspiele verzichten könnten.

Doch Köln wäre nicht Köln, wenn alles so problemlos enden würde. Otze macht alles richtig. Doch sein Trainer verhält sich nicht ganz so clever. Er plaudert die Geschichte in der Presse aus. Seltsamerweise bekommt der Deutsche Fußball-Bund alles mit und Ordenewitz wird für das Finale gesperrt.  Ohne ihn verliert der EFFZEH das Finale nach Elfmeterschießen gegen Bremen.

Was lernen wir daraus?

Auch in der guten alten Zeit war nicht alles gut. Aber heute würden wir uns freuen, wenn wir die Probleme von damals hätten. Ein verlorenes Finale…

Foto: © Torsten Bogdenand / PIXELIO

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Über den Autor

Philipp Tekampe (philtek): Elf Tage älter als Ronaldo (der echte, nicht Cristiano) und sogar 15 Tage älter als Michael Ballack aber dafür auf den Tag genau 31 Jahre jünger als der Kaiser Franz Beckenbauer. Damit im perfekten Alter, um das Geschehen nicht mehr aktiv zu bestreiten, sondern vom Seitenrand zu kommentieren. Als Blogger, Schriftsteller und PR-Texter gibt er seinen Senf auch zu anderen Themen ab.

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