„Da regt mich allein die Frage schon auf!“ würde jeder echte kölsche Fußball-Fan wohl auf diese Frage antworten, aber es ist sicherlich interessant, dieser Frage einmal aus etwas neutralerer Sicht auf den Grund zu gehen! Zum Beispiel aus Sicht des englischen Fußball-Fans von Derby County Barrie Smith, der beim Spiel gegen Erzgebirge Aue auf der Südtribüne saß und dessen Eindrücke der FC auf seiner englischsprachigen Internetpräsens veröffentlichte.

Der Brite an sich ist ja – zumindest was den Fußball angeht – mit einer nicht zu übersehenden Arroganz ausgestattet und behauptet immer, er habe den Fußball nicht nur erfunden, sondern auch eine ganz einzigartige Atmosphäre in seinen Stadien, die ihres Gleichen in der ganzen Fußballwelt sucht. Zugegeben, jeder, der einmal in einem englischen Stadion das gesamte Publikum „You’ll never walk alone“ hat singen hören, wurde von einer Gänsehaut überzogen, die noch Stunden später von diesem beeindruckenden Erlebnis zeugte. Aber – und das ist in Köln bei manchen Spielen wirklich anders – in England ist häufig nach diesem Ausbruch der Ekstase Schluss mit Stimmung. Barrie Smith schreibt:

The atmosphere up there was still electric – fans were chanting and clapping throughout the game; something that English football fans cannot muster for the full 90 minutes.Barrie Smith, September 2013

Fairer Weise muss man sagen, dass das Phänomen von minutenlanger Apathie in Köln auch durchaus nicht unbekannt ist, vor allem, wenn es für meinen Verein nicht so gut läuft. Der gute Barrie hätte auch ein paar Kilometer weiter rheinabwärts einen in der Bundesliga kickenden Verein eines Kölner Vororts besuchen können, um dieses Phänomen über 90 Minuten zu erleben. Hier hätte er auch etwas, das der FC-Fan in einem geflügelten Wort mittlerweile als „Stimmung vom Band“ bezeichnet, erlebt. Über die unterschiedlichen Qualitäten des in Köln und in besagtem Vorort zelebrierten Fußballs schweigen wir an dieser Stelle besser.

Vielleicht konnte Mister Smith die in seinem Artikel niedergeschrieben Eindrücke auch nur gewinnen, weil es sich beim Spiel Köln gegen Aue um ein Spiel handelte, das von der DFL nicht als Hochsicherheitsspiel eingestuft wurde und es dadurch der Gastronomie vor und vor allem im Stadion ermöglicht wurde, Getränke traditionell-kölnischer Braukunst auszuschenken. Mit 2,0 Promille lässt sich sicherlich auch ein Grottenkick wie der gegen Sandhausen ertragen, wohingegen das trostlose Spiel gegen den anderen Kölner Vorort durch den Verzehr entspaßten Biers nicht attraktiver werden konnte – worunter im Übrigen natürlich auch die Stimmung litt.

Nun ist es aber offensichtlich so, dass es in englischen Stadien wohl auch bei einem Kick zwischen Ipswich Blues und Shrewsbury Town kein Bier im Stadion zu kaufen gibt, was das Bestaunen englischen Drittliga-Kick&Rushs durchaus zu einer zähen Angelegenheit werden lassen könnte. In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf den Bier-Pro-Kopf-Verbrauch und da rangiert der doch eigentlich als trinkfreudig bekannte Brite auf einem beängstigenden 14. Platz im europäischen Vergleich. Mit der Ausschankerlaubnis in englischen Stadien würden die Briten sicherlich schlagartig auf einen der vorderen Plätze gespült und ganz nebenbei ihre Konjunktur so exorbitant ankurbeln, dass ein Austritt auf der EU (endlich!) Wirklichkeit werden könnte.

Ebenso scheinen Fahnen in vielen englischen Stadien vorboten zu sein – im Übrigen aus meiner Sicht im wahrsten Sinne des Wortes ein überflüssig sichteinschränkendes Fanutensil, dem auch in deutschen Stadien durchaus ein Verbot auferlegt gehört.

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Ein Kommentar

  1. Alex

    Ich las den Artikel auch im Express FC-Forum und da steckt einiges wahres drin. Neulich war ich in Österreich, hatte mein Geißbock Longsleeve an und fing auf einmal an Hände zu schütteln, bekam auf die Schulter geklopft und ja… der FC weiß halt zu begeistern. Und ab nächster Saison bitte wieder erstklassig.
    Come on EFFZEH!

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Über den Autor

Christoph Braunisch (buebster): Geboren genau 14 Jahre und einen Tag nach dem großen Pierre Littbarski und ausgerechnet in dem Jahr, in dem die A-Junioren des 1.FC Köln die erste von insgesamt drei Vizemeisterschaften feiern konnten. Seitdem FC-infiziert und bei fast allen Heimspielen live am Start und bei Auswärtspartien meganervös vor dem Fernseher. Im Übrigen genau wie diverse große FC-Torhüter während des Sportstudiums vom großen Quäler Rolf Herings gepeinigt.

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