Als Fan des 1.FC Kölns bin ich es gewohnt zu meckern und zu klagen.
Gründe gab es in den letzten Jahren immer genug.

Gelungene Abstiege, nicht gelungene Aufstiege, vergebene Chancen, mangelnder Kampfgeist, teaminterne Streits, bunt zusammengewürfelte Söldner, Pezko im Taxi, Derbys gegen Mönchengladbach, unfähige dafür lautstarke Vorstände, die schwarze Wand, der Messias, Michael Meier, Volker Finke, ideenlose Trainer, Transfers wie Freis, Maniche, Womé, Eichner…

Ich begann Dinge zu verstehen, die ich nie verstehen wollte:

Frauen, die immer wieder zu dem Mann zurückkehrten, der sie schlägt.
Männer, die ihre Frauen lieben, obwohl sie von ihnen immer wieder betrogen werden.
Menschen, die ihre Stimme der FDP geben.
Idioten, die bei einem Zweikampf für den Gegner von Chuck Norris halten…
Irgendwann fasste ich es zusammen unter der Überschrift:
Warum Kölner keine Domina brauchen.

Seltsamerweise vermisse ich es fast. Das Jammern, das Klagen und das Schimpfen über den 1.FC Köln. In den letzten Jahren hatte es sich dermaßen als Teil meiner selbst manifestiert, dass ich tief in mir drin den Drang spüre, weiter zu meckern. Nur worüber?

Denn das Jahr 2013 war anders.
Zugegeben gab es auch einen verpassten Aufstieg oder zumindest die verpasste Chance zur Quälegation. Aber abgesehen davon?

Insgesamt 67 Punkte, ein ruhiger und doch effizient arbeitender Vorstand, der Derbysieg gegen Düsseldorf, ein Team in dem jeder für den anderen kämpft, Kölsche Jungs, Pezko verkleidet an Taxifahrer, die Gala gegen Union Berlin, Topfavorit auf den Aufstieg und das völlig verdient, großartiger Support durch weitestgehend friedliche Fans, Jörg Schmadtke, Peter Stöger, Transfers wie Patrick Helmes, Marcel Risse, Daniel Halfar…

Und ich beginne daran zu glauben,
dass sich gewalttätige Männer bessern können.
dass promiskuitive Frauen treu werden können.
dass es Sinn machen könnte die FDP zu wählen, oder gegen Chuck Norris zu wetten führt natürlich zu weit.

Aber eins habe ich verstanden.
Wer in Köln seine wöchentliche Tracht Prügel braucht, muss sich wieder eine Domina suchen, denn der 1.FC Köln übernimmt diesen Job nicht mehr.
Und darüber bin ich verdammt froh, selbst wenn ich das Meckern ein wenig vermisse.

Foto: © Eduard Bopp / upgradecologne.de

4 Kommentare

  1. Alex

    Ja, es ist ruhig geworden. Und auch nach 2 Niederlagen in Folge ist man nicht wirklich ins Schwimmen geraten. Einiges Gute wurde 2013 getan, hoffen wir, dass es erst der Anfang war. Aber der Anfang ist gelungen und in diesem Sinne, bitte mehr davon 2014 und möge am Ende der Aufstieg stehen.

    Antworten
    • Kölsche Ziege [philtek]

      Wegen mir soll es 2014 einfach so weitergehen.
      67 Punkte und wir greifen nach dem internationalen Geschäft! :mrgreen:
      Ist natürlich Quatsch. Einfach Ruhe bewahren und professionell weiterarbeiten, würde mir schon reichen.
      Gruß
      philtek

      Antworten

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Über den Autor

Philipp Tekampe (philtek): Elf Tage älter als Ronaldo (der echte, nicht Cristiano) und sogar 15 Tage älter als Michael Ballack aber dafür auf den Tag genau 31 Jahre jünger als der Kaiser Franz Beckenbauer. Damit im perfekten Alter, um das Geschehen nicht mehr aktiv zu bestreiten, sondern vom Seitenrand zu kommentieren. Als Blogger, Schriftsteller und PR-Texter gibt er seinen Senf auch zu anderen Themen ab.

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