Die neue Liga-Saison steht kurz vor dem Start. Der FC hat hervorragende Testspielresultate erzielt, mit dem Colonia-Cup ein Vorbereitungsturnier vor Teams wie dem FC Porto oder FC Valencia gewonnen und unter Beachtung der wirtschaftlichen Möglichkeiten mehr als überragende Transfers getätigt.
Also, alles gut?

Im Grunde genommen ja!
Der FC hat sehr interessante Spieler mit viel Potential geholt.

Entwickeln sich diese Spieler schnell weiter, wird der FC für die ein oder andere positive Überraschung sorgen können. Zumindest wird der FC für jeden Gegner ein schwer zu bespielendes Team sein. Doch diese Spieler haben in der letzten Saison in ihren Vereinen kaum eine Rolle gespielt und wenn, dann keine allzu bedeutende. Fußball ist – Taktik hin oder her – primär eine Frage der Qualität, der Konstanz und der mentalen Stärke. Die positiven Ergebnisse innerhalb der Vorbereitungsphase sind nicht überzubewerten, aber auch nicht ganz wegzuwerfen, denn „siegen hilft siegen“. Jeder Erfolg hilft den Glauben an sich und das Team zu stärken, erhöht die Lust am Spiel und erhöht den Hunger auf weiteren Erfolg. Insofern hat der FC in dieser Vorbereitungsphase die Grundlagen geschaffen, dass jeder Spieler mit positiver Energie und Vorfreude in diese Saison hineinstarten kann.

Was man dagegen im Zusammenhang mit diesen Neuzugängen nicht weiß ist, wie stark sie mental tatsächlich sind. Wie werden sie Misserfolge verarbeiten? Werden sie durch medialen oder ähnlichen Druck aus dem Konzept gebracht? Darüber hinaus dauert eine Saison lang. Diese Spieler sind es nicht (mehr) gewohnt über einen längeren Zeitraum zu spielen. Werden sie diesen Belastungen physisch und auch psychisch Stand halten?

Auf dem Papier hat der FC mit diesen Spielern jedenfalls sportlich und in der Außenwahrnehmung hinzugewonnen. Wenn interessante U21-Spieler sich für Köln entscheiden und sich hier weiterentwickeln, dann wird der FC auch künftig für vielversprechende Talente interessant sein. Getreu dem Motto „wenn bereits so viele Spieler dem Ruf Schmadtkes und Stögers erfolgreich gefolgt sind, dann muss was dran sein an diesem neuen FC“.
Sportlich gesehen eröffnen sich viele neue taktische Möglichkeiten.
Der FC wird hierdurch unberechenbarer und kann auch während des Spiels in effizienterer Weise auf die jeweiligen Gegner reagieren. Stöger muss diese Möglichkeiten, die sich ihm bieten werden, nur abrufen bzw. die Spieler in die Lage versetzen, ihre Qualitäten entsprechend einzubringen.

Mit Hosiner und Modeste wird Ujah mehr als nur kompensiert. Jojic und Bittencourt bringen Kreativität, Variabilität und Tempo ins offensive Spiel (und hieran mangelte es in der letzten Saison zuhauf).
Die Abwehr muss ihre Vorjahresstabilität jedoch erstmal unter Beweis stellen.
Mit Maroh und Wimmer/Mavraj hatte der FC in der vergangenen Saison immer ein funktionierendes Innenverteidigerduo, welches darauf bauen konnte, dass die beiden Sechser Lehmann und Vogt für ein defensives Gleichgewicht sorgten. Vor allem Vogt war hier in sehr vielen Spielen der Schlüsselspieler für diese defensive Stabilität. Zu Gunsten des offensiven Spiels gab es in der Vorbereitung die Tendenz, auf einen Sechser zu verzichten. Spannend wird nun sein, um wieviel die defensive Stabilität tatsächlich einbüßen wird; erst recht, nachdem bereits zu Beginn mit Maroh und Mavraj zwei etablierte Kräfte ausfallen werden und der letztjährige Hauptstabilisator im Mittelfeld Vogt wohl nur noch von der Bank kommen wird.
Können Sörensen und Heintz direkt weiterhelfen und reicht ein Sechser?
Oder haben wir hier eine Gefahrenzone?
Oder wird Stöger doch wieder auf das altbewährte 4-2-3-1 zurückgreifen, der Formation, in welcher der FC letzte Saison am sichersten agierte? Mindestens gegen die viel spielstärkeren Teams wie Bayern, BVB, Wolfsburg und Leverkusen wird dieses 4-2-3-1 sicher mehr als nur eine Option sein.

Wohin also wird die Reise für unseren FC gehen?
Ganz ehrlich: Selten war ich zu Saisonbeginn so entspannt wie heute. Wenn alles optimal einschlägt, dann halte ich Platz 8-10 für absolut realistisch. Aber in den seltensten Fällen läuft alles am Optimum. Da sich zudem nicht nur der FC personell auf dem Papier gut verstärkt hat, sondern viele andere vermeintliche Abstiegskandidaten oder Teams auf Augenhöhe ebenso, ist eine seriöse Prognose diesmal sehr schwer. Alles erscheint möglich zwischen einer im Vergleich zum Vorjahr noch entspannteren Saison und dem Abstiegskampf. In diesem Sinne bin ich der Ansicht, dass wir Fans wieder Platz 15 als primäres Ziel verinnerlichen sollten. Der FC wird intern bereits selbst genügend Druck aufbauen, da sollten wir Fans auch weiter auf die Arbeit Stögers und Schmadtkes vertrauen und nach Möglichkeit – und solange es vertretbar ist – von außen so wenig Druck wie möglich auf die Spieler und das Team ausüben. Denn nur so können die jungen und neuen Spieler sich voll und ganz auf „ihre Sache“ konzentrieren, was oftmals der schnellste Weg ist, um am Ende positive Resultate zu erzielen. Ein Schuss zu viel Euphorie oder eine Prise zu hohe Erwartungshaltung und der Schuss kann schnell nach hinten losgehen.
Tragen wir unseren Teil für die kommenden Erfolge bei und heben (noch) nicht die Messlatte.
Lassen wir den FC in Ruhe die Grundsteine legen für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft, denn das ist es, was wir alle wollen…

In diesem Sinne, come on FC!

Foto: © Herbert Bucco / www.ligafoto.de

9 Kommentare

  1. Walter

    Ich fand die letzte Saison aus effzeh-Sicht halbwegs entspannt. So darf es wieder werden. Aber es sind auch Mannschaften wie Dortmund, Bremen und Stuttgart unten reingerutscht. Das macht Sorge, kann es also (fast) jeden treffen. Prinzipiell glaube ich dass es noch die ein oder andere Saison gegen den Abstieg gehen wird. Mein Vertrauen in die auf und neben dem Platz agierenden Personen allerdings ist so hoch wie lange nicht mehr.
    Und der Auftakt war ja gut. Denn wenn Stuttgart so weitermacht, wird nicht jede Mannschaft dort Punkte holen.

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    • Kölsche Ziege [philtek]

      Willkommen bei der Ziege.
      Ich teile Deine Einschätzung. Vertrauen in die Verantwortlichen sowieso. Und ich hoffe, das Spiel gegen Stuttgart war ein gutes Zeichen. Wenn man solche Drecksspiele gewinnt, dann…
      Und jetzt muss ich bei allem Realismus schon wieder den kölschen Optimismus bekämpfen 🙂
      Gruß
      philtek

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Über den Autor

Antonio Bozza (machiavelli14): Geboren am 31. Spieltag 1974, als der FC im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz nicht nur 3:1 in Wuppertal gewann, sondern in einer Liga spielte, in welcher Bayer Leverkusen noch nicht auf der Landkarte erschien und es mit dem Stadtrivalen Fortuna Köln einen prestigeträchtigen Absteiger gab. Erstmals im Stadion am 18.09.1982 als einer von 14.000 Zuschauern beim 2:1-Heimerfolg gegen Werder Bremen und seitdem vom FC-Fieber gepackt...

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