Als ich vor eineinhalb Jahren zum Geburtstag von einem Kumpel eine Auswärtsfahrt zu einem FC-Spiel geschenkt bekam, freute ich mich wie Bolle! Früher waren wir oft zusammen unterwegs in den Stadien der Republik, um unseren FC durch all die Höhen und Tiefen der Neunziger Jahre anzufeuern. Wir stiegen also in die Planung ein und da kristallisierte sich schon das erste Problem heraus:

Die Terminierung der Spieltage!

Leider ist der Spieltag ja mittlerweile so „zerpflückt“, dass man zwar weiß, an welchem Wochenende welches Spiel ansteht, aber Tag und die Uhrzeit bleiben bis zur genauen Ansetzung der Spiele das Geheimnis der DFL und daher für die Planung einer Auswärtsfahrt reine Spekulation. Im gesetzten Alter mit Familie und Kindern ist es schwierig, sich ganze Wochenenden freizuschaufeln und Freitagsspiele um 20:30 Uhr oder ein Spiel am späten Sonntagnachmittag scheiden von vorneherein aus. Wie gut, dass zumindest die Anstoßzeiten der letzten beiden Spieltage einer Saison im Voraus bereits feststehen: 15:30 Uhr, Samstagnachmittag! Alles gut! Wie früher!

Mainz 05 sollte der Gegner heißen, wir planten, mit dem Schiff anzureisen und die Fahrt zu einem echten Event werden zu lassen – wie in alten Zeiten! An Karten zu kommen sollte auch kein Problem sein, da zumindest mein Kumpel und auch zahlreiche andere im Bekanntenkreis FC-Mitglied waren und somit Optionen auf Auswärtstickets hatten.

Und dann…
…kam das Spiel in Mönchengladbach und…

damit leider auch das Ende unserer Auswärtsfahrt. Die Auflage des DFB, die Tickets zu personalisieren stellte eine unüberwindbare Hürde dar, denn es war für mich als Nicht-Mitglied unmöglich, an eine Karte für dieses Spiel zu gelangen. Dumm gelaufen, aber leider die logische Konsequenz der unfassbaren Idiotien verirrter und vermummter Dummköpfe im Altbierland!

Nun könnte man also denken, ich hätte genau wie zahlreiche andere Fans, die momentan versuchen, das Derby gegen Mönchengladbach am nächsten Samstag zumindest stimmungsmäßig zu boykottieren, einen Megahals auf den DFB und die verhängten Strafen, weil es mich ja als völlig Unbeteiligten besonders hart traf, wenn man die verpasste Auswärtsfahrt nach Mainz allen Ernstes als Härtefall bezeichnen möchte!

Das ist aber überhaupt nicht der Fall.

express-plakat-schmadtke-ultras

Vielmehr rege ich mich über die Sprecher der so genannten Südkurve e.V. auf, die für das Gladbachspiel dazu aufrufen, auf Zaunfahnen, Doppelhalter, Choreografien in der Kurve und lautstarke Unterstützung wie Vorsänger zu verzichten.
Und dies zu einem Zeitpunkt in der Saison zu fordern, zu dem der FC nach der schmerzhaften Kasperklatsche von Frankfurt alle Unterstützung der rot-weißen Fanwelt gebrauchen kann, damit sich der gute Saisonstart nicht in einen Negativtrend wendet, ist so unnötig wie Gedanken an einen baldigen Stadionausbau.
Hier nehmen sich einige „Fans“ mal wieder viel zu wichtig!

Wenn man völlig größenwahnsinnig am Spieltag nach der Begnadigung einer Gruppierung mit vermeintlich rot-weißem Gedankengut durch den FC (ich halte dies nach wie vor für einen riesengroßen Fehler!) ein großes Banner über der Südkurve prangen sieht, auf dem gleichermaßen selbstverliebt wie provokant zu lesen steht:

„Ohne uns es Kölle nur de Hälfte wäät“

dann ist dies eine schallende Ohrfeige für alle FC-Fans, die mit Randale und niveaulosen Gesängen nichts am Hut haben und während der viel zu kurzen Suspendierung der Boyz für eine andere, aber nicht minder unterstützende Stimmung gesorgt haben. Und nun soll das gekränkte Ego einiger Weniger dazu führen, dass alle anderen auch am Samstag den Mund halten und ein Derby zum Geisterspiel verkommt?

Mein Tipp für all diejenigen, die sich diesen Schwachsinn ausgedacht haben:

Bleibt doch einfach zu Hause und schweigt vor dem Fernseher! Gebt eure Karten ab, damit endlich richtige Fans ins Stadion gehen können, die gerne Fußballspiele sehen wollen und unseren Verein in allen Spielen fernab sämtlicher Nebenkriegsschauplätze wie Jahnwiese, Autobahnraststätte oder Sonderzug anfeuern und bejubeln wollen.

Ich jedenfalls werde oben auf der Südtribüne stehen und lauthals singen – auch wenn ich der einzige sein werde!

In diesem Sinne: COME ON FC!

Foto 1: © Herbert Bucco / upgradecologne.de

Foto 2: © Kölsche Ziege

6 Kommentare

  1. Kölsche Ziege [philtek]

    Recht hat der Büb. Ich werde mit Dir schreien!
    Und das Plakat hätte eigentlich heißen sollen:
    „Ohne Kölle sind wir nur de Hälfte wäät“
    Denn Stadt und Verein sind immer größer als einzelne Fangruppen.
    Gruß
    philtek

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    • Chris752

      Richtig so, sollen sich alle Ultras Deutschlands doch lieber zu einer friedlichen Demo vor der DFB Zentrale treffen (anmelden nicht vergessen 🙂 ) und dort Ihr Anliegen vortragen und uns FANS nicht das Derby versauen. Da wäre der DFB direkt betroffen und nicht wie bei dieser Aktion lediglich der FC benachteiligt (glaubt Ihr Ultras eigentlich, dass die Gladbacher ULTRAS im Gegenzug beim Rückspiel Ihre Mannschaft ebenfalls nicht anfeuern??). Bei solchen Protesten lacht sich der DFB doch nur ins Fäustchen. Sollte sich der ein oder andere ULTRA doch dazu entschließen zu Hause zu bleiben und dort zu schmollen, ich würde die Karten nehmen und UNSEREN EFFZEH lautstark unterstützen – wie hoffentlich viele andere auch!

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      • Kölsche Ziege [buebster]

        Hey Chris!
        Ich sehe, wir verstehen uns! Mit philtek und Alex wären wir dann schon zu viert! Wäre doch gelacht, wenn unsere Anfeuerung nicht auf die anderen 48.500 minus 50 schwachmaten Ultras überschwappen würde!

  2. Alex

    Ja, so schaut’s aus. Der Verein über allem. Allem andere hier im Artikel kann ich nur beipflichten. Fans sind diese, die ihren Verein immer unterstützen – in guten wie in schlechten Zeiten – und mit unterstützen meine ich Gutes tun. Tickets kaufen, Fanartikel, Gesänge, den Verein nach vorne peitschen wenn es nötig ist und nicht sich wichtiger nehmen als den Verein. Denn da wären wir wieder bei meinem Ausgangspunkt: Der FC über allem!

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    • Kölsche Ziege [buebster]

      Hey Alex!
      Vielleicht bekommen wir den Schmadke noch dazu, sich mit uns zu solidarisieren!
      Bin gespannt, wie die Stimmung sein wird!
      Ich bin immer fassungslos, wie man auf eine solche Idee kommen kann!
      Jrooß,

      Büb

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Über den Autor

Christoph Braunisch (buebster): Geboren genau 14 Jahre und einen Tag nach dem großen Pierre Littbarski und ausgerechnet in dem Jahr, in dem die A-Junioren des 1.FC Köln die erste von insgesamt drei Vizemeisterschaften feiern konnten. Seitdem FC-infiziert und bei fast allen Heimspielen live am Start und bei Auswärtspartien meganervös vor dem Fernseher. Im Übrigen genau wie diverse große FC-Torhüter während des Sportstudiums vom großen Quäler Rolf Herings gepeinigt.

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